Wer kennt sie nicht, die Poser vor dem Herrn, die nur ins Studio gehen, um sich selbstverliebt im Spiegel zu betrachten.
In der Umkleide haben wir nur einen rollbaren Garderobespiegel, und der ist unter den Posern das heißbegehrteste Objekt im Studio, sogar mehr als die hübschen Damen am Tresen.
Nach dem Training hat einer dieser Möchtegern-Bodybuilder, die nur nur Übungen für Bizeps und Brust durchführen, seinen Nasenschleimhäuten unter der Dusche freie Fahrt gewährt, also mal so richtig schön abgerotzt. Ich war schneller mit dem Duschen fertig, also habe ich mich bereits umgezogen. Mein Duschnachbar war gleichzeitig auch mein Spintnachbar. Kaum ist er aus dem Nass, wird erst einmal der Spiegel zurechtgerückt und trocknet sich ab, ohne den Blick auch nur eine Sekunde davon abzuwenden.
Das ging mir auf die Nerven und habe ihn gefragt, ob er denn zu Hause keinen Spiegel hätte. Sofort erhielt ich eine mit bösem Blick gestellte Gegenfrage. “Was hat das damit zu tun?”. Naja, da mir blieb nur eine Wahl! Ich musste ebenfalls mit einer Gegenfrage antworten. “Warum posed du denn die ganze Zeit im Spiegel und merkst nicht einmal, dass du Rotze an deiner Oberlippe kleben hast?”.
Kommentarlos hat er den Nasenschleim mit seinem Handtuch entfernt.
Am Tag danach kam ich ins Studio und er hat das seinen drei Brüdern in einer mir nicht beherrschten Sprache erzählt. Das Wort “Spiegel” gibt es möglicherweise im arabischen oder seinem eigenen Wortschatz nicht. Seitdem ernte ich gelegentlich böse Blicke. Was solls, Bodybuilding ist sowieso ein Individualsport.
Salemaleikum!